Grundprinzipien des Trainings

GYROTONIC verwendet als grundsätzliches Trainingsprinzip die Verschraubung (Spiralisierung) des Körpers. Dabei wird der mit den Extremitäten verbundene Rumpf mit speziellen Bewegungen spiralförmig gedreht, um Stabilität bei gleichzeitiger Beweglichkeit zu erreichen. Vergleichbar mit einem Weidenbaum, der sich im Wind bewegt.

Ein gleichmäßiger Wechsel der muskulären Gegenspieler (Agonist/ Antagonist), sowie die Variation in der körperlichen Arbeitsweise (konzentrisch/exzentrisch) erzeugen einen ständigen Bewegungsfluss und erweitern so den Bewegungsradius. Eine Überanstrengung einzelner Muskeln wird ebenso verhindert, wie dem kompensatorischen Einsatz der Hilfsmuskulatur gezielt entgegengewirkt wird.

Anspannung und Entspannung ausgewählter Teile der Muskulatur bewirken ein hohes Maß an Energieeinsparung im Körper – die resultierende Bewegungsökonomie ist auch im Alltag umsetzbar.

GYROTONIC Übungen sorgen für eine dauerhafte Verbesserung der Gesundheit, für eine aufrechte Haltung, Bewegungsfreiheit und eine innere Ausgeglichenheit. Das Ergebnis ist ein neues Körpergefühl – gepaart mit einer höheren Vitalität.

Stabilität durch Kontrastspannung
Erstes Grundprinzip im GYROTONIC Training ist es, in jeder Körperposition eine Wirbelsäulen- und Gelenkstabilität über den Aufbau eines muskulären Kontrasts zu erreichen. Anstatt zu versuchen, eine Stabilität über Fixieren und Festhalten des Körpers in einer bestimmten Position herzustellen, wird der Trainierende aufgefordert, eine ausbalancierte Position zwischen dem Erreichen einer größtmöglichen Verlängerung und gleichzeitig einem nach innen gerichtetem Ziehen (Richtung Körperkern) zu suchen. Selbst dieser Aufbau einer Kontrastspannung ist nicht statisch, sondern erfolgt kontinuierlich und wellengleich: Der Trainierende strebt nach Verlängerung bei gleichzeitigem Aufrollen aus der Mitte des Körpers heraus. Auf diese Weise wird Stabilität durch gegensätzlich gerichtete Kräfte erreicht.

Schmerzfreiheit durch Dekompression
Das zweite Grundprinzip beschreibt das aktive Schaffen von mehr Raum innerhalb eines Gelenks (Dekompression). Gelenke, die übermäßig komprimiert werden, können sich nicht (schmerz)frei bewegen. Ein erster Schritt zur Expansion innerhalb eines Gelenks, ist die beschriebene Kontrastspannung. Zudem soll der Trainierende bei jeder GYROTONIC Übung versuchen, eine kreisförmig schöpfende Bewegung rund um das expandierende Gelenk durchzuführen (scoop out). Wenn also etwa das Bein gerade in die Luft vor den Körper gehoben wird (90° Winkel), so führt dies in der Regel zu einem Stauchen im Hüftgelenk. Bei den GYROTONIC Übungen lernen Sie, das Hüftgelenk auf einer Kreisbahn allmählich herauszuschieben – auf sanfte Weise entsteht mehr Platz im Gelenk. Diese Idee einer Expansion wird für alle Gelenke umgesetzt.

Atmung als Therapie
Ein dritter Grundsatz beschreibt den Wert der aktiven Atmung für die Übungsdurchführung. Grundsätzlich wird zwischen der Qualität der Atmung, dem Rhythmus, der Atemtiefe und Atemfrequenz unterschieden. So kann die Atmung innerhalb einer Übungsstunde einerseits eine leichte kardiovaskuläre Stimulation unterstützen, andererseits die Kraftanstrengung und Muskelkontraktion beeinflussen. Oder aber dabei helfen, den alltäglichen Stress abzubauen: Bewusste Atemtechniken regen in Kombination mit fließenden Bewegungen das unwillkürliche Nervensystem an und fördern so die Entspannung. Daher werden mit jeder Bewegung im GYROTONIC korrespondierende Atemmuster eingeübt.

Beweglichkeit über Bewegung erreichen
Das vierte Trainingsprinzip zeigt die Möglichkeiten von fließenden Bewegungsabläufen als Grundprinzip auf: Hier spürt der Trainierende, dass die Verbesserung von Beweglichkeit vor allem über Bewegung erreicht werden kann. Daher werden die GYROTONIC Übungen mittels kontinuierlich kreisenden, spiralförmigen Bewegungen durchgeführt, statt in einer endgradigen Position statisch zu verharren. Der Übende hat spürbare Erfolgserlebnisse, die er angenehm am eigenen Körper wahrnimmt.

Mentale Kraft
Der fünfte Grundsatz ist sicher der wichtigste, beinhaltet er doch indirekt die zuvor erklärten Prinzipien. Er beschreibt, dass die mentale Vorstellung zur angestrebten Bewegung [Bewegungsvorstellung] der eigentliche Motor für die Bewegung ist – diese ist weitestgehend die treibende Kraft hinter der Bewegung des Übenden. Zunächst muss eine exakte Vorstellung der Bewegung vorhanden sein, ehe diese anschließend durchgeführt werden kann. Im GYROTONIC Training arbeitet der Trainer daher viel mit beschreibenden Bildern, um die mentale Bewegungsvorstellung zu stärken.

Gleichermaßen nutzen viele Sportarten die geistige Vorstellungskraft: Wenn etwa der Hochspringer vor seinem eigentlichen Sprung zuerst mental jeden Schritt ausführt und auch der Sprung in der Vorstellung entsteht, ehe es zum sichtbaren Anlauf kommt und der Athlet elegant die Latte überquert. Der Sportler spult das vorher gespeicherte Bewegungsprogramm nur noch ab und überlässt dem Körper die Handlung nach der Vorstellung – ohne aktiv steuern zu müssen.
Für unser Rückentraining bedeutet das: Wenn es dem trainierenden Patienten gelingt, eine gute Haltung, Körperposition oder Schulterstellung einzunehmen, ohne darüber nachdenken zu müssen, ist die Grundvoraussetzung geschaffen, chronische Schmerzen dauerhaft zu reduzieren.